English version this page in English

Was der Krieg erlaubt

Auf die oberen Etagen sind Bomben gefallen und haben die Wohn- und Geschäftshäuser in Schutt und Asche gelegt. Überall liegen eingefallene Häuserwände, Haushaltsgegenstände und Glassplitter herum. Es stinkt wie auf einer brennenden Müllkippe. Aus den Trümmern ragen bizarr verbogene Stahlträger und warten auf fleißige Hände, die sie ausreißen und zum Schrottplatz tragen.
Die bei den Bombenangriffen Getöteten wurden in Särge gepackt und in einer Reihe an die ehemalige Hauptstrasse gestellt. Diese Sargkette scheint das einzig Geordnete zu sein in all dem Chaos drum herum.
Aus den unteren Etagen und Kellern einiger stehen gebliebener Gebäude erklingt Musik und manchmal lautes Lachen. Wie bei allen Kriegen gibt es auch hier im Libanon nicht nur Verlierer, Überlebende und Tote. Einige Geschäftsleute haben durch den Krieg sehr gut verdient und feiern schon die Folgeaufträge, die der Wiederaufbau ihnen verschaffen wird. Ausgelassen trinken die Kriegsgewinnler in den Kellergewölben auf ihre Erfolge und lassen die Puppen tanzen.
Was oben auf der Strasse passiert, interessiert sie wenig - es sei denn ein Trümmerteil versperrt ihnen die Weiterfahrt in ihren frisch importierten Cabrios.