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Deutschland im Sommermärchen

Die Fußballweltmeisterschaft 2006 versetzte große Teile der deutschen Bevölkerung in einen politischen Sommerschlaf. Es schien so, als ob sich ein ganzes Volk mit Hilfe von Bratwurst und Spielen zu einem gemeinsamen, nationalen Ziel gefunden hätte - die Fußballweltmeisterschaft zu gewinnen.
Überall auf den Straßen traf man Menschen in den Nationaltrikots der deutschen Mannschaft und an tausenden von Autos flatterten schwarz , rot, goldene Fähnchen. Wer ins Fußballstadion ging, schmierte sich vorher schwarze, gelbe und rote Farbe ins Gesicht.. Die Scham der Väter, Flagge zu zeigen, weil sei einmal mit der Fahne voran in einen großen Krieg marschiert sind, war über Nacht einfach verflogen.
Gemeinsam jubeln, Spaß haben und sich besaufen, schafft eben ein Zusammengehörigkeitsgefühl der besonderen Art. - Der Verstand fällt irgendwie ins Koma oder vielleicht ist es auch so, dass man beim Kauf einer Fahne mit dem Verstand bezahlen muss.
Viele sagen, aber es geht doch nur um ein Fußballspiel, bei dem der Gegner aus einem anderen Land zu schlagen ist. Dass die Regierung gleichzeitig Truppentransporter mit Soldaten nach Afghanistan und in den Libanon schickt und nebenbei die Mehrwertsteuer erhöht, nimmt die jubelnde Menge in ihrem Sommernachtstraum gar nicht wahr.
So wickelt man Menschen in eine Fahne und holt sie ab, ohne dass sie aus ihrem Tiefschlaf erwachen. Und wenn sie nicht gestorben sind, schlafen sie noch heute.